Zum Ende des Jahres 2021


Was war das für ein Jahr.

Wenn ich zurückblicke, sehe ich zunächst die großen Krisen, welche unsere Welt erleben musste: die humanitäre Lage in Syrien, die dramatischen Entwicklungen in Afghanistan, der schreckliche Konflikt im Jemen, die Zustände in den europäischen Flüchtlingslagern, die Flutkatastrophe im Ahrtal - um nur einige zu nennen.


Überdeckt wurden diese Krisen durch die weltweite Corona-Pandemie.

Während in der Regel meist nur einzelne Regionen von großen Krisen betroffen werden, ist unser aller Leben durch das Virus betroffen. Ganz konkret, ganz persönlich. Es schockiert mich bis heute, wie die Pandemie dazu geführt hat, dass eine Krise losgetreten wurde, mit deren Heftigkeit und Tiefe wohl kaum jemand gerechnet hätte. Die Corona-Krise ist nämlich zu einer existenziellen Beziehungskrise geworden.


Egal ob es sich um Vereine, Institutionen, Kirchengemeinden oder sogar Familien handelt: Es wird polarisiert, beschuldigt und abgelehnt. Wir erleben eine Krise unserer Beziehungen, ausgerechnet dem Umfeld, das uns bisher Sicherheit gegeben hat.

Oftmals ist das gemeinsame Gespräch unmöglich geworden, weil unterschwellig Ängste, Unverständnis oder sogar Aggressionen brodeln und man sich dem nicht aussetzen möchte. Es sind bereits viele Freundschaften zerbrochen und in mancher Familie herrscht eisiges Schweigen.


Ich stelle fest: Die Basis, auf der wir spätestens seit den Zeiten der Aufklärung gelernt haben uns miteinander auseinanderzusetzen und zu diskutieren, ist uns verloren gegangen: Argumente zählen nicht mehr. Unsere immer kleiner werdende Welt, die digitale Vernetzung und die Abkehr von jahrhundertealten Werten und Massstäben haben gerade im ausgehenden Jahr zu einer Menschheit geführt, in der sich jeder seine eigene Wahrheit zusammenliest, -baut oder -glaubt. „Beweise“ für die Richtigkeit seiner Annahmen findet der Einzelne genügend in den Weiten des Internet. Wahr ist, was dem Individuum passt, was Sicherheit zu verleihen scheint und Wert verleiht. Eine allgemein gültige Wahrheit aber gibt es nicht mehr - so scheint es.

Wenn aber der Mensch nur noch auf sich und seine beschränkten intellektuellen Möglichkeiten geworfen ist, wo er sich nur noch mit denen umgibt, die seine eigene Meinung bestätigen und diejenigen ablehnt, bedauert oder ausschließt die dies nicht tun, bilden sich abgesonderte Gruppierungen, die das Gemeinwohl aus dem Blick verlieren. Die Gefahr der Entstehung von „Sozialsekten“ ist sehr real.


Der Blick zurück auf das Jahr 2021 mit seiner nie da gewesenen Auflösung von Werten und der Aushöhlung des Begriffes der Wahrheit zeigt mir sehr deutlich, wie sehr wir Menschen Gott brauchen. Es ist vielleicht nicht en vogue zu diesem Schluß zu kommen, aber es erscheint mir vernünftig. Dabei spreche ich nicht von irgendeinem Gott, von bloßer Religiosität oder von diffuser Spiritualität, sondern sehr konkret vom Gott und Vater von Jesus Christus, dem vertrauenswürdigen Schöpfer der Menschen.

Es sieht düster aus, wenn der Mensch auf sein Ego zurückgeworfen bleibt. Die Evolution des Menschen hin zu engelsgleichen Wesen, von der mancher Philosoph geträumt hat, ist auch 2021 ausgeblieben. Was wir „nach unten“ selbst befürchten, trauen wir uns dagegen „nach oben“ hin zu: Während wir Menschen künstliche Intelligenz erschaffen und uns zugleich davor fürchten, sie könne sich einmal verselbstständigen und uns bestimmen, haben wir selbst die höhere Instanz abzuschaffen versucht, uns selbstständig gemacht und spielen uns als Herrscher auf. Selbst Gott wollen wir reglementieren. Die Ergebnisse unseres stolzen Verhaltens sind nicht gerade überzeugend.


Ein ehrlicher Blick zurück - nicht nur auf die Corona-Krise - lässt mich fragen, wie die Welt aussehen würde, wenn wir Menschen erkennen würden, dass wir tatsächlich Gott brauchen. Ist es wirklich eine so große Demütigung, einzusehen, dass wir fehlbar und bedürftig sind - und bleiben? Oder wäre es nicht viel mehr eine Entlastung, ein gemeinsames Heimkommen?


Was, wenn wir neu über Gott nachdenken und einmal annehmen würden, dass seine Worte, die wir in der Bibel finden, ewig aktuell und die Gebote Jesu eben keine toten Gesetze, sondern Hilfen zu einem Leben sind, das wirklich Sinn macht und in dem der Einzelne einen Platz findet, egal wie gebildet, begütert, welcher Sprache und welcher Hautfarbe er ist? Wäre es nicht auch eine gute Idee, im neuen Jahr damit aufzuhören, Kirche und Gott zu verwechseln und ihn eben nicht mehr wegen der durchaus unfassbaren Sünden der Kirche gleichsam als Kind mit dem Bade auszuschütten?


Was wäre, wenn wir mit 2021 im Rücken nach 2022 schauen und zumindest einmal testweise mit der Umsetzung eines der Gebote Jesu beginnen würden, um zu schauen, ob dessen Aussage, umgesetzt von dir und mir, nicht dazu führen würde, dass unser Umfeld sich verändert. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Welt tatsächlich anders aussehen würde, wenn wir uns dafür entscheiden würden - auch, wenn wir dennoch weiterhin unvollkommene Wesen bleiben und auch Fehler machen werden. Noch viel mehr Veränderung würde möglich werden, wenn wir auch die anderen Worte Jesu an uns heranlassen und unser Verhalten nach ihnen ausrichten. Ich lade dich ein, es zunächst mit diesem hier zu versuchen:

»Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« Mat 19,19

Wäre das nicht einen Versuch wert?

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