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Was mich verzehrt



Was immer fern zu sein schien, kommt plötzlich schnell näher: Nächstes Jahr werde ich meinen sechzigsten Geburtstag feiern dürfen.


Als ich ein junger Mann war, gehörten in meinen Augen Menschen in meinem jetzigen Alter zum „alten Eisen“.

Ich dachte damals, sie hätten ihr Leben gelebt, ihre Erfolge gefeiert, ihre Niederlagen betrauert, ihre Wunden geleckt.

Ich war der Meinung, dass Menschen um die Sechzig nicht mehr viel bewegen könnten und diejenigen, die dies noch immer versuchten, sich entweder lächerlich machten oder einfach nicht wahrhaben wollten, dass ihre Zeit vorbei ist.


Heute denke ich anders und ich schäme mich für meinen Hochmut.


Es ist wahr: ich habe heute nicht mehr die psychische und physische Kraft, die ich früher hatte. Ich musste mir vor kurzem sogar eingestehen, dass nicht mehr ich es bin, der andere Läufer auf meinen Joggingrunden einholt, sondern es jetzt öfters vorkommt, dass andere mich  überholen.


Aber da gibt es eine Kraft in mir, die mit den Jahren nicht kleiner geworden ist, sondern im Gegenteil zugenommen hat.

Ich spreche von der Kraft der Sehnsucht.


Je älter ich werde, desto stärker wird meine Sehnsucht nach Gott. Diese Sehnsucht ist nicht zu verwechseln mit einer Art von Lebenssattheit oder der Sehnsucht nach dem Himmel, wo endlich alles gut sein wird, was mich jetzt noch verletzt, überfordert oder kränkt.

Es ist eine ganz im Jetzt stehende Sehnsucht.

Ich will Jesus näher sein als jemals zuvor. Meine Liebe zu ihm ist heute stärker als früher und mein größtes Anliegen ist seine Gegenwart in meinem Leben. Die Sehnsucht nach ihm treibt mich an und gibt mir Kraft. Sie lässt mich tun, was ich versuche zu tun.

Sie hilft mir dabei, meine Schwächen, mein Versagen und meine Zweifel zu überwinden und nicht aufzugeben.


Ich kann ein wenig nachvollziehen, was über Jesus geschrieben steht: „Der Eifer für dein Haus verzehrt mich“ (Joh.2,17). An dieses Psalmwort mussten die Jünger denken, als sie Jesus beobachteten.


Auch mein Eifer, oder besser: meine Sehnsucht nach Gott hat mich viel gekostet und sie verzehrt mich noch immer. Ich habe Träume aufgegeben, Versuchungen widerstanden und mich manches Mal gedemütigt.

Aber all das ist nichts gegen die Kraft der Sehnsucht nach Gottes Gegenwart, die alle Träume, Visionen, Versuchungen, Erfolge und Misserfolge klein werden lässt. Sie ist es, der ich nachjage. Erlebe ich Gottes Gegenwart, ist das jeden Preis wert. Jesu Schönheit und Nähe ist wichtiger als alles andere.


Die Größe der Sehnsucht nach ihm ist nicht gebunden daran, ob ich noch jung oder cool bin. Ob ich dieser Sehnsucht nachgehe ist unabhängig von meiner Reputation oder meinen Erfolgen.

Die Sehnsucht nach Gott ist die Basis meines Lebens. Sie ist die Motivation dafür, zu tun, was ich versuche zu tun. Sie treibt mich an, mit Ende 50 mehr denn je.


Ich will dich ermutigen, wenn du noch jung bist. Und ich will dich ermutigen, wenn du alt geworden bist: Es geht nicht in erster Linie darum, was du alles bewirken könntest oder was du bereits bewirkt hast oder nicht.

Es geht um seine Nähe in deinem Leben - in diesem und in jedem folgenden Moment. Alles andere ergibt sich daraus - aber nichts davon wird jemals so bedeutsam sein wie seine Nähe.


Zu Beginn dieser Woche möchte ich dich bitten, deiner Sehnsucht nach Gott Raum zu geben. Es lohnt sich.


Alles Liebe. Rainer



PS: Möglicherweise kann dir mein Buch „Intimität mit Gott“ eine Hilfe auf deinem Weg sein. Du findest es im Webshop vom Gebetshaus Freiburg.

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