es·sen·zi·ell


Gestern Abend konnte ich nicht gut einschlafen. Normal ist das nicht, denn ich bin mit einem guten Schlaf gesegnet. Doch gestern wirbelten verschiedene Gedanken zu unterschiedlichen Themen in meinem Kopf durcheinander. Sie vermischten sich, reihten sich irgendwann hintereinander auf und ergaben schließlich ein Gesamtbild, über das ich weiter nachdenken musste.


Auslöser für den Strom von Gedanken waren ganz unterschiedliche Beschäftigungen, denen ich am Abend nachgegangen war.


Zum einen, hatte ich in Henri Nouwen´s Buch „Intimacy“ gelesen. Nouwen berichtet darin unter anderem von einer Studie die unter Studenten in den USA durchgeführt wurde. Die Teilnehmer sollten jeweils ein Gebet verfassen. Ob oder an wen sie gläubig waren spielte dabei keine Rolle. Aus den Inhalten der unterschiedlichen Gebete extrahierte Nouwen mehrere Bilder über Gott, die anhand der angelegten Auswertungskriterien Rückschluss auch auf den charakterlichen und geistlichen Stand des Verfassers zuließen. Die verschiedenen Gottesbilder ließen mich über mein eigenes Gottesbild nachdenken und darüber, welche Schlüsse auf meine Persönlichkeit ich daraus ziehen könnte.


Am späten Abend hatte ich mir dann eine Dokumentation über Sektenaussteiger angesehen. Sie berichteten von extremer Enge und Kontrolle in der Sektengemeinschaft und davon, wie befreiend der Ausstieg für sie war. Dieser Bericht ließ mich wiederum über meinen eigenen Glauben und über die Frage nachdenken ob er mich beengt oder mir Freiheit schenkt.


Der letzte Impulsgeber für meine Nachtgedanken war die augenblicklich intensive Arbeit an meinem neuen Buch über „Intimität mit Gott“, das demnächst ins Lektorat gehen wird. Als ich nämlich meine Schlussgedanken zum Buch verfasste, war ich selbst ein wenig geschockt wegen der Deutlichkeit der Worte, die ich zum aktuellen Zustand der Kirche in Deutschland gefunden hatte.


Die drei Impulse ließen in mir die Idee einer Zusammenfassung der Dinge entstehen, die mir als Christ persönlich am wichtigsten sind, die ich im Blick auf mein eigenes Leben konsequent verfolge und für die ich mich am stärksten einsetze. Dabei stellte ich fest, dass ich meine Schwerpunkte anhand von vier Aussagen biblischer Persönlichkeiten sehr gut beschreiben kann.


1. Davids Worte aus Psalm 27,4:


  • „Eins habe ich vom Herrn erbeten, danach trachte ich: zu wohnen im Haus des Herrn alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des Herrn und nachzudenken in seinem Tempel“


Eine Hauptsache für meinen Glaubensweg ist der Wunsch, in der Nähe Gottes zu sein. Ich will kein Besucher und kein Gast bei ihm sein. Ich will mich bei ihm niederlassen und ihn anschauen. Alle Gedanken, die ich mir zu den verschiedensten Herausforderungen in meinem Leben mache, möchte ich mir in der stillen Nähe meines Gottes machen.



2. Jesu Worte aus Johannes 17, 20-21:


  • „Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast“


Es gibt kaum ein anderes, uns überliefertes Gebet Jesu, in dem wir den Sohn Gottes mit solcher Leidenschaft beten hören wie das große Gebet aus Johannes 17. Ich möchte sein Gebet ernst nehmen und alles dafür tun, dass ich einen kleinen Beitrag zu seiner Erfüllung beitragen kann, damit „die Welt glaube“.



3. Paulus´ Worte aus Römer 8,29 und 2.Korinther 3,18:


  • „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“

  • „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht“


Ich glaube fest daran, dass wir Christen die Bestimmung haben, mehr und mehr wie Jesus zu werden. Wir sind der Leib Christi. An uns - auch an mir - soll Christus sichtbar werden. Der einzige Ort, an dem diese erstaunliche Transformation geschehen kann, ist der Ort der Begegnung mit ihm selbst. Ich habe einen Gott, der abfärbt.


Intimität mit Gott, Einheit im Leib Christi und die Transformation meines Seins in das Bild Jesu. Das sind die Zutaten aus denen die Essenz meines Glaubens besteht. Dafür lebe ich.

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