Am Ende


Gerade habe ich zwei Bücher über den Tod gelesen, ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt.

Es handelte sich um die Geschichten zweier Frauen, die letztlich ihrer Krebserkrankung erlagen, damit aber sehr unterschiedlich umgegangen, bzw. sehr verschiedenen gestorben sind.

Der Tod ist eines der letzten Tabuthemen in unserer Gesellschaft.

Während das individuelle, selbstbestimmte und ohne Grenzen geführte Leben fast vergöttert wird, ist das Sterben kein Thema - obwohl es das einzige Thema ist, das wirklich jeden von uns ohne Ausnahme betrifft. Selbst auf den nächsten Urlaub bereiten wir uns oft besser vor, als auf den unweigerlich bevorstehenden Tod.

Hast du schon einmal über dein Ende nachgedacht? Ich spreche nicht von deiner Beerdigung, sondern von dem Moment, in dem du realisieren wirst, dass du sterben wirst.

Ich finde es lohnenswert, sich diese Situation vorzustellen, obwohl sie in gewissem Sinne ja unvorstellbar ist. Ich glaube, es steigen dabei wertvolle Gedanken in uns auf, die wir im Alltagsrausch unseres Lebens nicht denken. Vielleicht sogar ganz grundsätzliche Gedanken: Wie will ich bis dahin eigentlich leben? Was möchte ich zurücklassen?

LEBE ich eigentlich, oder eile ich verdrängend und in der ständigen Hoffnung auf das diffuse Versprechen eines besseren DANN durch die mir gegebene Zeit?

Viele leben tatsächlich nur wenig ihrer Zeit in der Gegenwart, im Augenblick. Sie leben vielmehr im Blick auf Geschehnisse, die in der Zukunft liegen, von der sie aber gar nicht wissen, ob sie sie wirklich erleben werden. Sie arbeiten auf den Abschluss des aktuellen Projekts hin - DANN werden sie feiern. Sie planen die nächstjährige Reise - DANN werden sie sich erholen. Sie leben mit der Hoffnung „wenn die Kinder alle aus dem Haus sind, DANN können wir wieder mehr Zeit zu zweit verbringen.“ Und nicht wenige Menschen leben auf ihre Rentenzeit hin: „DANN“!

Leben - wann, wenn nicht jetzt?

Sterben - kein Grauen, sondern ein Doppelpunkt.

In Psalm 90, 14 findet sich das folgende Gebet: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“


Unsere Tage auf dieser Erde sind endlich, deshalb ist es klug, sich die Frage zu stellen, welche Prioritäten wir in unserem Alltag haben.

Es macht Sinn, darüber nachzudenken ob wir im Jetzt leben oder ständig mit dem Blick auf das nächste „DANN“.

Das Nachdenken über das Ende unseres Lebens könnte alles verändern.

Ich wünsche dir eine gute Woche.

Rainer

#rainersmondayimpulse

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