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Unterwegs


Gestern Abend bin ich von einer Veranstaltung in unserer Stadt nachhause gefahren.


Da es noch recht früh und das Wetter herrlich war, wählte ich nicht den kürzesten Weg, sondern fuhr einen Umweg durch die Gegend in der ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin.


Es berührte mich, einige der Orte zu sehen, mit denen ich besondere Kindheitserlebnisse verbinde. In mir stiegen nostalgische Gefühle auf und einmal dachte ich sogar „damals war die Welt noch in Ordnung“. Ich musste keine große Verantwortung tragen, das Berufsleben lag noch ein paar Jahre in der Zukunft und die meiste Zeit konnte ich mit meinen Freunden verbringen, ohne mir groß Gedanken über den nächsten Tag machen zu müssen. Wie unbeschwert wir damals in den Tag hineinleben konnten! Uns war gar nicht bewusst, dass wir mit zunehmenden Alter eine wachsende Verantwortung haben würden: für uns selbst und für die Menschen um uns herum.


Heute ist mir diese Verantwortung manchmal durchaus eine Last, die ich dann gerne loswerden würde. Manche Arbeitstage ermüden mich. Manche Kritik ist demotivierend. Dann sehne ich mich danach, in ein Segelboot zu steigen und eine lange Reise über den Atlantik zu unternehmen: Frei von der Verantwortung für Zahlen, Mitarbeiter, Erfolge und Misserfolge. Losgelöst von einem Terminkalender, der weit in die Zukunft hinein blockierte Stunden und Tage zeigt.


Ich könnte mir in solchen Momenten natürlich zusprechen: „Rainer, du hast nur noch ein paar Jahre bis zu deiner Rente, dann wirst du genügend Zeit für die Dinge haben, die jetzt noch zu kurz kommen und dann wird dein Terminkalender ganz weiß sein. Zieh es durch!“


Aber so möchte ich nicht leben. Ich will stattdessen im Hier und Jetzt präsent sein und mein Leben nicht in eine Zukunft verlegen, von der ich nicht einmal weiß, ob ich sie wirklich erleben werde.

Also treffe ich eine Entscheidung: „Jesus, der wehmütige Blick zurück auf die vermeintliche Unschuld der Kindertage hilft mir ebenso wenig wie der Versuch, die nächsten Arbeitsjahre irgendwie durchzuziehen um dann endlich und vermeintlich das Leben genießen zu können. Deshalb richte ich meinen Blick auf dich, der du gestern warst, heute bist und morgen sein wirst. Ich trete in deinen Frieden hinein - jetzt.“


Ich wünsche dir, dass du in deinen Anstrengungen und Herausforderungen dennoch im Hier und Jetzt bleiben kannst. Du bist dort nicht allein.


Alles Liebe. Rainer

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