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Sehnsucht nach Jesus


Am vergangenen Samstag saß ich auf unserer Terrasse und betete. Wieder einmal stieg dabei eine große, fast schmerzhafte Sehnsucht nach Jesus in mir auf. Ich verspürte ein mir bekanntes Verlangen, das mich seit vielen Jahren begleitet und jedes Mal, wenn ich es in mir spüre, ist es süß und bitter zugleich.


Süß, weil es mir zeigt, dass mein Glaube nicht zu einer puren Gewohnheit geworden ist, sondern es in mir den Wunsch nach größerer Nähe zu Jesus gibt. Da mich dieses Verlangen ohne mein eigenes Zutun ergreift, weiß ich, dass es echt ist. Es fühlt sich dann an, als ob meine Seele anfangen würde zu singen, demjenigen entgegen, den sie liebt.


Doch dieses Verlangen hat auch einen bitteren Beigeschmack, denn es zeugt von einer ungestillten Sehnsucht in mir, die ihre Erfüllung noch nicht gefunden hat. Meine Seele streckt sich aus, erhebt sich, wagt sich tastend voran und ruft nach Gott.


Aber in solchen Momenten ergeht es ihr auch immer wieder so, wie es Sulamith, dem Hirtenmädchen aus dem biblischen Hohelied erging. Auch sie hatte Sehnsucht nach dem Geliebten und wurde verzehrt vom Wunsch, mit ihm zusammen zu sein – aber er war nicht da:


“Auf meinem Lager zur Nachtzeit suchte ich ihn, den meine Seele liebt; ich suchte ihn und fand ihn nicht.” (Hohelied 3,1)

Ich kenne das Gefühl, das Sulamith ergriffen hat – die nächtliche Suche, auf die sie sich machte, und den unbedingten Wunsch, ihn zu sehen. Als mich am vergangenen Wochenende wieder einmal die Sehnsucht nach Jesus auf besonders starke Weise überkam, stiegen Gedanken in mir auf, die neu waren:


Was wäre, wenn Jesus meine Sehnsucht tatsächlich umfänglich stillen würde? Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich mit ihm in beständiger Kommunikation stehen würde, ihn allezeit spüren könnte und einen so großen Glauben hätte, dass Wunder eine ganz normale Realität in meinem Alltag wären?


Ich konnte auf diese Fragen keine Antwort geben. Wäre dann alles gut? Würde ich zufrieden sein, oder würde ich vielleicht stolz auf meine Verbindung zu Gott werden? Ich weiß es nicht.


Was ich aber weiß, ist, dass die Sehnsucht nach Gott authentisch und wertvoll ist. Sie ist eine Motivationskraft, die meinen Glauben herausfordert, mein Gebetsleben stärkt und mich – Gott entgegen – in einer Vorwärtsbewegung hält. Eigentlich möchte ich sie nicht verlieren, denn ich glaube, dass diese Sehnsucht ein Geschenk Gottes ist. Ja, ich möchte, dass sie mehr und mehr gestillt wird. Zugleich möchte ich, dass sie mich nie verlässt, denn:


sie hält mich auf dem Weg zu ihm.


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