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Frühlingsarbeiten



Ich liebe den Frühling.


Jedes Jahr kann ich es kaum erwarten, endlich wieder im Garten arbeiten zu können.

Diese Beschäftigung macht mir viel Freude. Es ist ein höchst befriedigendes Gefühl, wenn die Beete bereinigt, die Hecken und Bäume beschnitten sind und schließlich die Kübelpflanzen wieder frische Luft atmen und Sonne tanken dürfen.


Wenn ich ans Samstagen Zuhause bin, verbringe ich viel Zeit im Garten, der - zumindest bilde ich mir das ein - von Jahr zu Jahr schöner wird. Nach getaner Arbeit und einer Dusche mein Tagewerk zu betrachten, und die Nachmittagssonne auf die müden Glieder scheinen zu lassen ist für mich Lebensgenuss pur.


Ich mag es auch gern, wenn der Garten von den verdorrten pflanzlichen Überresten des Vorjahres befreit ist. Dann muss sich das junge Grün nicht erst durch ein Geflecht abgestorbener Pflanzen kämpfen, sondern kann sich besser entfalten. Am vergangenen Samstag war ein freier Tag, also war ich draußen. Unser Teich, den ich vor vielen Jahren angelegt habe, brauchte einiges an Pflege. Jetzt sieht er wieder schön aus und ich freue mich schon auf die ersten Sumpfdotterblumen, die bald blühen werden. Ich mag es, wenn es um mich herum aufgeräumt ist.


Am Samstag kam mir ein Gedanke. Wäre es nicht eine gute Idee, auch für unsere Seelen so eine Art Frühlingsputz durchzuführen? Im vergangenen Jahr ist doch auch in unserem Inneren so einiges gewachsen. Wunderschöne Blumen genauso wie Unkraut, das die Tendenz hat zu wuchern. Manches ist wieder verblüht, einiges vielleicht sogar verdorrt oder in der heißen Sonne der persönlichen Herausforderungen verdurstet.


Nehmen wir uns je Zeit, den inneren Garten unserer Seele aufzuräumen? Gelten für diesen nicht auch ähnliche Prinzipien wie für den Garten hinter dem Haus? Sollten wir dort nicht auch schon längst manches bereinigen, beschneiden oder einen Bereich des inneren Gartens ganz neu anlegen? Gibt es in uns nicht auch unaufgeräumte Ecken? Von außerhalb sieht sie vielleicht niemand , weil wir Hecke unserer Abwehr so hoch haben wachsen lassen, dass keiner in unseren Garten schauen kann, aber dennoch sind sie da, nehmen Platz weg und sehen hässlich aus. Sie stören uns eigentlich, trotzdem schieben wir es auf, sie endlich aufzuräumen. Gibt es in uns unbeendete Projekte oder ist das Efeu der Sorge in den inneren Garten eingedrungen, schmarotzt dort und erstickt das, was eigentlich gute Früchte bringen sollte?


Ich möchte dir den Gedanken der inneren Gartenpflege weitergeben. Schließ doch einmal ein paar Minuten die Augen, drehe eine Runde durch den Garten deiner Seele und schau, was es aufzuräumen, zu beschneiden oder wegzuwerfen gibt. Und dann packe ganz praktisch an. Das wird ein befriedigendes und zugleich befreiendes Erlebnis sein. Vielleicht geht es ja auch um einen Streit mit deinem „Nachbarn“, der wie ein schwärendes Feuer vor sich hin qualmt und das Licht des Gartens verdunkelt. Oder vielleicht solltest du die Rosen des Stolzes, dringend zurückschneiden. Was auch immer du entdeckst - nachdem du es auf - oder ausgeräumt hast, ist dein innerer Garten nicht nur ordentlicher, sondern du kannst ihn selbst auch mehr genießen.


Übrigens: Für manche Arbeiten kann es eine große Hilfe sein, einen guter Freund um Unterstützung zu bitten.



Alles Liebe. Rainer

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