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Dekonstru-was?


Auf der langen Zugfahrt vom Norden Deutschlands ins schöne Freiburg beschäftigte ich mich gestern mit ganz verschiedenen Dingen.








Ich dachte zurück an die Konferenz von der ich gerade kam, arbeitete an der Auswertung einer nationalen Gebetshausumfrage, googlete neue Freunde, betete und kam dann unabhängig von all dem anderen und ganz unverhofft auf das Thema des Dekonstruktivismus’. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine aus meiner Sicht existenzielle Herausforderung für die heutige Kirche. Auf meinem Sitz im Ruhebereich des Waggons verbrachte ich dann einige Zeit mit der Auseinandersetzung mit eben dieser Herausforderung.


Was vielen Christen noch gar nicht so bekannt ist, begegnet mir immer häufiger: Theologen und Laienverkündiger stellen grundlegende Aussagen der Bibel nicht nur infrage, sondern verneinen sie. Dies geschieht oft mit den besten Absichten und ihre Argumente klingen sogar schlüssig.

Viele von ihnen vertreten eine sogenannte progressive Theologie, die davon ausgeht, dass der christliche Glaube sich in jeder Zeit und Kultur neu definieren und ausdrücken muss. Das klingt erst einmal gar nicht schlecht.


Es ist ihnen wichtig, dass gläubige Menschen, deren Leben sich bisher in einem einengenden fundamentalistischen Rahmen abspielt, daraus ausbrechen und die Freiheit erleben dürfen, die Gott ihrer Meinung nach für uns Christen vorgesehen hat. Das klingt sogar richtig gut!


Sie ermutigen dazu, dass Christen ihren Glauben denkend dekonstruieren, analysieren und dann neu zusammensetzen, also rekonstruieren.

Auch ich finde es bedeutsam, denkend zu glauben. Ich finde es allerdings ebenso wichtig, glaubend zu denken.


Trotz des ehrenhaften Bemühens mancher, dem Dekonstruktivismus anhängender Theologen, den christlichen Glauben für die Menschen von heute durch Dekonstruktion fassbarer und attraktiver zu machen, halte ich diesen Weg für gefährlich und - bezogen auf biblische Kernaussagen - falsch.

Manchmal muss ich beim Versuch, die Bibel von ihren skandalösen Aussagen zu bereinigen sogar an Pipi Langstrumpf denken, die Astrid Lindgren hat singen lassen „ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“. Das erlebe ich dann als ein unseriöses Vorgehen, welches aus meiner Sicht danach aussieht, dass sich Menschen ihren Gott selbst formen.

Wenn die Bibel - bei allen inhaltlichen Herausforderungen - nicht mehr als Gottes Wort behandelt, sondern frei lektoriert und zensiert werden darf, wenn sogar grundlegende Aussagen wie die, dass Jesus stellvertretend für uns Menschen gestorben ist, aufgrund zeitgeschichtlicher und kultureller Entwicklungen nicht mehr wahr sein dürfen, dann ist das gar nicht mehr gut. Dann sehe ich als Resultat nicht etwa eine bessere Vermittelbarkeit oder größere Attraktivität des christlichen Glaubens, sondern seine schrittweise Auflösung.


Wenn wir ehrlich sind, lesen wir die Bibel natürlich allesamt interpretierend. Das ist so. Doch fundamentale Wahrheiten aufzulösen ist etwas anderes. Das nämlich entzieht uns Christen das Fundament unseres Glaubens.


Ich mag meine dicke Bibel mit ihren skandalösen, „unglaublichen“ und manchmal ärgerlichen Aussagen. Ich will kein „Bibelchen“, das irgendwann nur noch aus einer Seite besteht, auf der steht: „Gott ist nett - tu was du willst“.


Was für Gedanken einem im Zug kommen können…


Alles Liebe. Rainer

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